Vengeance verfeinert eine starke Formel: forderndes Rundenkampfsystem, süchtig machende Dämonenfusion und eine neue Erzählroute, die alles verändert. Die Erkundung von Da'at wirkt klarer, und das Tempo ist besser austariert als im Original.
Euer Urteil
Kategorie
Rollenspiel1 Spieler16+
Beschreibung
Ein Tokioter Schüler wird in ein verödetes, von Dämonen verheertes Tokio geworfen und verschmilzt mit einem göttlichen Wesen. Veröffentlicht von Atlus, weltweit 2024 erschienen. Dämonenverhandlung und -rekrutierung, Fusionen, Gesinnungsentscheidungen und eine völlig neue Route in dieser erweiterten Fassung.
Shin Megami Tensei V: Vengeance im Test
4/5
Art-Design
★★★★★
"Markant"
MAX
Musik
★★★★★
"Legendär"
MAX
Story
★★★★★
"Meisterhaft"
Unter Ryota Kozukas Leitung hüllt sich das zerstörte Tokio in kalte Elektronikflächen und beißende Rock-Riffs, die jede Dämonenbegegnung knistern lassen. Die öden Weiten atmen durch frostige Synthie-Texturen, während Kämpfe in rastloser Perkussion explodieren. Ein Klang, der unter die Haut geht und lange nachhallt.
Zwischen einem zerstörten Tokio und einer dämonenverseuchten Wüste stellt die Erzählung den Spieler vor harte Entscheidungen über Ordnung, Chaos und freien Willen. Die Dialoge verweigern einfache Antworten und verlangen, dass man seine Sicht vertritt. Reifes Schreiben auf dichter Mythologie, das nachhallt.
Gameplay
"Hervorragend"
Spaß
"Angenehm"
Suchtfaktor
"Packend"
Schwierigkeit
"Schwer"
Spieldauer
"Riesig"
Das verwüstete Tokio wimmelt von Dämonen zum Anwerben, Fusionieren und Verfeinern, und jede Gesinnung führt zu einem eigenen Ende. Vengeance legt eine völlig neue zweite Kampagne obendrauf, die das Abenteuer fast verdoppelt, dazu Nebenquests, furchteinflößende optionale Bosse und die Jagd auf Mitama. Diese Fülle an Optionen samt eines Schwierigkeitsgrads, der zum besser vorbereiteten Neustart einlädt, macht es zu einem RPG ohne echtes Ende.
Verhandeln, rekrutieren oder vernichten: Jeder Dämon kann Verbündeter oder Henker werden, und die Bosse treiben diese Spannung an die Grenze. Elementare Affinitäten verwandeln einen einzigen Press-Turn-Zug in einen Blitzsieg oder ein Debakel. Gegen kolossale Gottheiten und mythische Gestalten entscheiden das Lesen von Schwächen, das Jonglieren mit Buffs und kühler Kopf alles, in taktisch gnadenlosen Duellen.
Eine fragwürdige Moral
Um eine verwüstete Welt zu retten, wirbt man Dämonen im Gespräch an, schmeichelt ihnen, gewinnt sie… um sie dann ohne Skrupel zu stärkeren zu verschmelzen. Der Gefährte von gestern ist das Rohmaterial von heute, und man optimiert seine Opfer wie ein Kochrezept. Diese vorgespielte Zärtlichkeit für Geschöpfe, die man umgehend recycelt, lockt ein leicht verlegenes Lächeln hervor.
Lohnt sich Shin Megami Tensei V: Vengeance 2026 noch?
Vengeance ist keine bloße Neuauflage, sondern die definitive Fassung von Shin Megami Tensei V. Die neue Route liefert Kontext und Figuren, die dem Original schmerzlich fehlten, während das fordernde, chirurgische Kampfsystem zu den befriedigendsten des Genres zählt. Die Erkundung der öden Tokioter Weiten, einst etwas leer, wirkt nun dichter. Dämonenfusion und Verhandlung behalten ihren strategischen Biss. Optisch macht es auf der Switch trotz mancher Bildratenschwankung eine gute Figur. Ein Höhepunkt des düsteren Rollenspiels für alle, die vor dem Zuschlagen gern denken.